GENERELLE PHÄNOMENE     

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  GENERELLE PHÄNOMENE



#01: Innen und außen. Öffentliche Bilder

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Höhlenmalerei der Steinzeit | Diana Schaal

Häuserwände statt Leinwände | Norbert Martins

#02: Katastrophe und individuelles Glück. Den Zufall melken

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Die Flut in Hamburg 1962 | Malte Borsdorf

Ausflug zur statistischen Sicht auf den Zufall | Andreas Groll

#03: Brotlaib und Seele. Emotionale Ökonomien

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Kapital, Beton und Hoffnung | Anja Breljak

Eine kleine Kritik dualistischen Denkens | Thomas Kilian

#04: Decisions and drive. Floating in self-organisation

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Structure, function, life, and the emergence of spontaneous order. | Joel Wellbourne-Wood

Determinism, Self-Organization, Generativity: The History and Future of the Relation between Mind and Universe | Davor Löffler

#05: Zeit und Traum. Gekrümmtes Bewusstsein

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Schamanische Reise zur Entstehung der Zeit | Janne Schäfer

Raum, Zeit und Materie: Was bisher geschah | Julian Miczajka

Vom Riss in der Traumzeit zur verklebten Zeit im Tagtraum. Ergebnisse aus der Forschung zum Thema Zeiterleben | Wanja Wiese



Vortragsreihe März - November 2017. 5 Abende mit jeweils 2 Präsentationen und einem Gespräch, in dem Assoziationen und Querverbindung zwischen den vorgestellten Themen gesucht werden dürfen.





#05: Zeit und Traum. Gekrümmtes Bewusstsein | 17.11.2017 | 19:00



Raum, Zeit und Materie: Was bisher geschah | Julian Miczajka (Physik)

Raum, Zeit und Materie: Was bisher geschah Die physikalische Vorstellung von Raum und Zeit hat in der Vergangenheit mehrere Revolutionen erlebt, von Raum und Zeit zu Raumzeit, von flach zu gekrümmt und von leer und ereignislos zu einem pulsierenden Meer, das an jeder Ecke neue Geheimnisse mit sich bringt. Eng verbunden mit dieser Entwicklung waren stets neue Erkenntnisse über die Struktur der Materie sowie das experimentelle Vordringen zu Ereignissen auf immer größeren und kleineren Skalen. Wir wollen der Geschichte dieser einzigartigen Dreiecksbeziehung - zwischen Raum, Zeit und Materie - auf den Grund gehen und damit gleichzeitig das Weltbild der modernen Physik nachvollziehen. Julian Miczajka promoviert derzeit am Max Planck Institut über Holographie und exakt lösbare Modelle im Zusammenhang mit Quantengravitation

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#05: Zeit und Traum. Gekrümmtes Bewusstsein | 17.11.2017 | 19:00

Vom Riss in der Traumzeit zur verklebten Zeit im Tagtraum. Ergebnisse aus der Forschung zum Thema Zeiterleben | Dr. Wanja Wiese

Vom Riss in der Traumzeit zur verklebten Zeit im Tagtraum. Ergebnisse aus der Forschung zum Thema Zeiterleben Die Zeit ist kein Gegenstand, den wir sinnlich wahrnehmen können. Dennoch sind wir uns der Zeit praktisch ständig bewusst und erleben das Verrinnen der Zeit. Sie vergeht schnell, wenn wir uns amüsieren; wenn wir uns langweilen, dehnt sie sich. Das subjektive Erleben der Zeit lässt sich philosophisch und empirisch erforschen. Besonders interessant hierf¨r sind Bewusstseinszustände, in denen sich das Zeitempfinden systematisch vom Erleben im normalen Wachzustand unterscheidet. Beispiele sind veränderte Bewusstseinszustände im Traum, bewusste Erlebnisse unter dem Einfluss halluzinogener Drogen, sowie durch Meditation hervorgebrachte Zustände. Der Vortrag liefert einen Einblick in die Forschung zum Thema Zeiterleben. Es werden sowohl Ergebnisse psychologischer Forschung als auch philosophische Positionen vorgestellt.

"Die Zeit ist kein Gegenstand, den wir sinnlich wahrnehmen können. Dennoch sind wir uns der Zeit praktisch ständig bewusst und erleben  das Verrinnen der Zeit. Sie vergeht schnell, wenn wir uns amüsieren;  wenn wir uns langweilen, dehnt sie sich. Empirisch lassen sich  systematisch weitere Faktoren untersuchen, die das Zeiterleben  verändern (z.B. Emotionen oder Aufmerksamkeit). Zudem gibt es  Forschung zu den neuronalen Mechanismen, die dem Zeiterleben zugrunde  liegen. Da viele psychische Störung oft mit einer veränderten  Wahrnehmung zeitlicher Abläufe einhergehen, könnten sich daraus auch  neue Einsichten in die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten solcher  Störungen ergeben." (Dr. Wanja Wiese)

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#04: Decisions and drive. Floating in self-organisation.| 14.10.2017 | 19:00

Structure, function, life, and the emergence of spontaneous order. | Joel Wellbourne-Wood

Structure, function, life, and the emergence of spontaneous order. | The emergence of order from chaos in an entropic universe is a curious phenomenon. From the level of single molecules to large scale social systems, self-organization allows for the dynamic interaction of functional constructs towards a predictable outcome, in a game where the motivations arise from singular insufficiency and the struggle to survive in a dangerous environment. Here we will look at some natural examples of patterning, form, and self-organization in the molecular world, cellular world, and in the realm of animal and human behavior. Finally, we will reflect on how this organization came about mechanistically, and how we might better understand it, and our relationship with it.

"The possibility to think and behave more dynamically in society is enhanced by investigating many avenues, in some sense. Curiosity is one of the main driving forces of this kind of divergent investigation. For this reason curiosity seems to be a driving force that generates a larger state space for the person who is curious. This means that curiosity increases the range of possible behaviors one may engage in, and also therefore the range of possible behaviors the group may engage in. This might be beneficial- If you are not curious, your behavior might become too static or predictable, and you may be taken advantage of by other people or other species. Additionally, you may miss out on good opportunities that you can only realize if you invest some attention and learn some new information. The flip side of an increased possible number of states is that you increase the chance that you encounter an unhelpful attractor as your state space increases, and the attractor may be so powerful that you become stuck in a non-dynamic state. An example would be being curious and interested in a person, association, idea, or behavior that attracts you to such a degree that it negatively impacts your life, and instead of helping you increase your dynamic possibility, makes you far less effective and dynamic, as your are stuck in the attractor. e.g. Being curious about heroin might turn out poorly.

One can also reflect on the tightly controlled nature of curiosity as a function of the mind. If curiosity needs to be balanced in a situational way, to make sure you are neither too curious nor not curious enough about something or someone, it goes to reason that we as individuals may not have much control over it. This is also substantiated by the idea that you cannot know how curious you should have been about something until after you have already investigated it, making the idea that we can control or evaluate our interests pre-hoc almost definitely wrong. Curiosity, therefore, has to be something that happens to us -things grab our attention almost against our will. In this sense one might compare curiosity to the beating of the heart- you cannot turn it off, and it is an evolved, embodied, pre-attentional mechanism integral to proper non-pathalogical functioning of the being." (Joel Wellbourne-Wood)


Joel Wellbourne-Wood is currently researching at the Department of fundamental Neurosciences at the University of Lausanne

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#04: Decisions and drive. Floating in self-organisation.| 14.10.2017 | 19:00

Determinism, Self-Organization, Generativity: The History and Future of the Relation between Mind and Universe | Davor Löffler

Determinism, Self-Organization, Generativity: The History and Future of the Relation between Mind and Universe | In this talk a newly emerging Weltverhältnis, the metaphysical paradigm of generativity, will be sketched out through a reconstruction of the history of mind, moving from the first signs of animal intelligence and the appearance of human sentience up to the threshold of posthuman cognitive agencies. This evolutionary and civilizational trajectory of the development of mind shows that mind is a realization of generative processes deeply embedded in the universe itself, and while these processes of generativity have reached a certain level of refinement in the human mind, they are not necessarily bound to the human organism as their sole medium.

"Zur Frage mit Facebook: ja/nein. Es ist Entwicklung, es ist eine Verlängerung der Operationsketten oder eine Integration von Operationsketten, aber es findet innerhalb der selben evolutiven Phase statt.
  A) Es ist eine Erweiterung oder Veränderung des Bestehenden, so wie etwa wenn ein Organismus einen stärkeren Zehnagel oder Greifzahn entwickelt oder man eine Bogensehne aus Leder statt aus Pflanzen herstellt - also eine leichte Verbesserung der Eigenschaften unter Beibehaltung der Grundform.
B) Oder man müsste eben spezifizieren, was diese geschluckten Startups/opensource-Projekte genau machen: es kann ja sein, dass sie einen Algorithmus herstellen, der die gesamte Infrastruktur von Facebook verändert, so dass es gänzlich neue Dinge in den virtuellen Raum einfügen oder sich in neue Richtungen entwickeln kann - das wäre dann so, wie wenn ein Organismus merkt, dass er auch längere Zeit unter Wasser bleiben kann und dann unter Umständen die Art beginnt, in eine neue Richtung zu evolvieren. Oder in der Zivilisatoinsgeschichte, wenn man merkt, dass man auch aus Metall einen guten Hammer machen kann, mit den bekannten Folgen.
Also diese Frage ist interessant, aber schwierig als Aufhänger (weil man Evolutionskonzepte diskutieren und/oder mehr über die konkreten übernahme oder Einverleibungsfälle bei Facebook wissen müsste)." (Davor Löffler)

Davor Löffler worked internationally in various research institutions, such as the “Mind Machine Project” at MIT and the "Interacting Minds Center", Aarhus. Currently he teaches at the interdisciplinary research platform “The New Center for Research and Practice”. His forthcoming book, Generative Realitäten. Zur Zeitform und Metaphysik der Technologischen Zivilisation, will be published by Springer in 2017.

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#03: Brotlaib und Seele. Emotionale Ökonomien. | 01.07.2017 | 19:00

Betakontext, Kapital, Beton und Hoffnung | Anja Breljak

Kapital, Beton und Hoffnung | Kangbashi ist eine geplante Stadt, eine neue Stadt. Kangbashi ist eine Geisterstadt. Ein Produkt der Hoffnung. Hier wurde auf die Zukunft gewettet: Auf Gas- und Kohlevorkommen, auf große Menschenmengen und willige Arbeitskraft, auf die Immobilie als Geldspeicher, auf ein neues Leben: 'You will own a luxury house soon.' Auch das chinesische Kangbashi ist Ergebnis eines Finanzkapitalismus. Dessen Dynamiken und Krisen, Institutionen und Akteure greifen immer tiefer in unseren Alltag ein. Eine Annährung.

Lässt sich mit Beton denken? Lässt sich dieses Gemisch aus Gestein, Zement und Wasser nutzen, um mehr als bloß die Bauwirtschaft zu beschreiben? Beton kann alles umfließen, solange es noch frisch ist, solange also die Ziegel-Bestandteile des Zements kleine Kristallnadeln ausbilden, die sich um die Gesteinskörnung legen. Wird es einmal hart, ist es beständig, wie ein einziger Block, ein totales Gebilde.

Ähnlich wie das Rhizom, welches das Wachstum, den Austausch, die Netzwerke betont, ist das Denkbild des Betons in der Lage Vernetzung zu denken. Im Gegensatz dazu deutet sich im Beton aber auch eine machtvolle Übernahme an, wie sie etwa Finanzialisierungsprozessen eigen ist. Beton bewegt uns dann dazu, über die materiellen Transformationen nachzudenken: Wer baut was, womit, aus welchem Grund? Wo kommen die Ressourcen her, wo die Investitionen? Wer profitiert davon? Und warum stehen am Ende trotzdem riesige Geisterstädte, unbenutzte Flughäfen, Wohnblocks und Hochhäuser herum, die vor sich dahinrotten? Während andernorts Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben werden.

Anja Breljak ist Philosophin und Politische Ökonomin, in der kritischen VWL-Gruppe 'Was ist Ökonomie?' (https://wasistoekonomie.de/) aktiv und Teil des Kollektivs 'Philosophy Unbound' (http://philosophyunbound.tumblr.com/).

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#03: Brotlaib und Seele. Emotionale Ökonomien. | 01.07.2017 | 19:00

Eine kleine Kritik dualistischen Denkens | Thomas Kilian

Eine kleine Kritik dualistischen Denkens | Übertragung von materiellen Dingen oder geistigen Errungenschaften in die Zukunft ist ein generelles menschliches Problem aller Zeiten und Weltgegenden. Den impliziten Dualismus, im Titel vorhandenen ersetzt Thomas Kilian durch die Viergliederung aus seinem Buch 'Gesellschaftsbild und Entfremdung'. Seine Meinung zu Emotion und Vernunft gibt's gratis oben drauf.

"Wenn die alte Zeit ihre Seele aushaucht | Der Dualismus war seit der Achsenzeit (Karl Jasper) um 500 v. Chr. das Maß aller Dinge. Gelegentlich vereinfachte man ihn zum Monismus oder erweiterte man ihn mehr oder minder dialektisch durch die ersehnte Synthese zu einer Trinität. Stilbildend wurde das Verhältnis von Leib und Seele. Sie setzte sich fort in die Vorstellung von Geist und Materie und mündete in der Bewusstseinsphilosophie zwischen 1750 und 1850 in ein Denken von Subjekt und Objekt. Bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel etwa ist der Herrscher das Subjekt und der Beherrschte sein Objekt. Die Überwindungsversuche zielen schon bei Hegel auf eine neue Ganzheitlichkeit in einer metaphysischen Synthese. Martin Heidegger versuchte im 20. Jahrhundert stattdessen vor die Spaltung zurück zu kommen, und die kritische Theorie sehnte sich zumindest nach einer scheinbar entschwindenden „Versöhnung“. Meine Frage war, wie es wäre, die Welt durch eine weitere Differenzierung besser zu verstehen? Lasst uns also bis vier zählen, um der rätselhaft gewordenen Komplexität der Moderne Herr zu werden…" (Thomas Kilian)

(Ein Engel holt die entweichende Seele eines Sterbenden.
Holzschnitt um 1500, unbekannter Meister)



Thomas Kilians Buch 'Gesellschaftsbild und Entfremdung' ist im Mai 2017 beim, ATHENA-Verlag Oberhausen erschienen: http://www.athena-verlag.de/controller.php?cmd=detail&titelnummer=672

Weiteres rund um seine Aktivitäten als Autor: https://thomaskilian1966.wordpress.com/

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#02: Katastrophe und individuelles Glück. Den Zufall melken | 06.05.2017 | 19:00

Die Flut in Hamburg 1962 | Malte Borsdorf

Die Flut in Hamburg 1962 Das Romanprojekt Der Henkelmann führt uns nach Hamburg, ins Jahr 1962. Eine Sturmflut überschwemmte damals große Teile des Stadtteils Wilhelmsburg, hunderte Menschen ertranken. Karl, Sohn eines Schauermanns in den Hafenanlagen, hat von seinen Eltern endlich ein Fahrrad bekommen. Dafür muss er seinem Vater mittags etwas zu essen zu den Lagerhallen bringen - bei jedem Wetter, auch am Tag der Katastrophe. (Text: Inka Parei)

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#02: Katastrophe und individuelles Glück. Den Zufall melken | 06.05.2017 | 19:00

Ein Ausflug zur statistischen Sicht auf den Zufall | Dr. Andreas Groll

Ein Ausflug zur statistischen Sicht auf den Zufall Während sich die Philosophie mit der Frage befasst: Was ist Zufall?, geht es in der Statistik überwiegend um die Fragen: Wie kann Zufall quantitativ erfasst werden? bzw. Wie lässt sich Zufall künstlich erzeugen?. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Konzept der sog. Zufallsvariable. Ob bei Schadenhöhen in der Versicherung, militärischen Entscheidungen im Kriegsfall, der Ausbreitung von Epidemien oder der Prognose des nächsten Fußballweltmeisters - Statistik kommt in unzähligen Anwendungsgebieten zum Einsatz. Und gerade im Zeitalter der Informationsgesellschaft und der Social Networks ist ein verantwortungsvoller Umgang mit großen Datenmengen immer wichtiger geworden.

"Im Wesentlichen ging es in meinem Vortrag "Ein Ausflug zur statistischen Sicht auf den Zufall" darum, einem Nicht-Fachpublikum zu zeigen und zu erklären, wie die Statistik mittels mathematischer Konzepte und Modelle versucht, den Zufall in einem gewissen Maße beherrschbar und handhabbar zu machen. Dabei spielt der Begriff "Wahrscheinlichkeit" eine zentrale Rolle. Zunächst wollte ich bewusst machen, dass uns Zufall und statistische Fragestellungen eigtl. täglich im Alltag begegnen und wir alle eigtl. intuitiv mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen wissen, siehe Wettervorhersage, Bundestagswahlprognose, Sportwettquoten, etc. Im Anschluss bin ich kurz auf die mathematischen Grundlagen des Wahrscheinlichkeitsbegriffs und der statistischen Charakterisierung von Wahrscheinlichkeit und Zufall eingegangen. Dies kann man sich gut im Rahmen eines Zufallsexperiments, wie zB dem mehrfachen Werfen eines fairen Würfels, bewusst machen. Man erkennt gewisse Regelmäßigkeiten, die den fairen Würfelwurf vom reinen Chaos unterscheiden. Abschließend habe ich ein Anwendungsbsp. aus meiner Forschungstätigkeit, nämlich die Modellierung und Vorhersage der Fußball-WM 2014 gezeigt. 

Insbesondere bei der intensiven Diskussion im Anschluss war mein Eindruck, dass die Zuhörer die Statistik nicht als eine Wissenschaft ansehen, die hilft, der Entzauberung der Welt zu entgehen, sondern die eher zu ihrer Entzauberung beiträgt. Denn wenn für viele Prozesse, Vorgänge und Geschehnisse des Alltags immer exaktere Modelle existieren, sehen viele eine Gefahr darin, dass alles plötzlich berechenbar und vorhersehbar wird und damit vielleicht der Reiz des Ungewissen in unserem Leben verloren geht. Ich selber sehe das etwas anders, die Statistik hilft mir gewisse Vorgänge etwas besser zu verstehen und einzuordnen und gerade an dem Bsp. der Fußball-WM kann man vielleicht auch ganz gut verstehen, dass der Charm des Ungewissen bleibt. Auch wenn sich in unserem Modell mit einer W'keit von etwa 20% der tatsächliche Weltmeister Deutschland als das wahrscheinlichste Team für den WM-Sieg ergeben hat, so heißt das aber trotzdem nur: würde man die WM 2014 mit den gleichen Mannschaften direkt 5 Mal hintereinander austragen lassen, so würde man erwarten, dass Deutschland eine dieser 5 WMs gewinnt. Da ja aber natürlich nur eine WM gespielt wird, sagen die 20% lediglich aus, dass Deutschland zwar zu den Favoriten gehörte, der WM Sieg aber trotzdem recht unwahrscheinlich blieb. Und der Gewinn der Europameisterschaft 2016 von Portugal (vorhergesagte W'keit 5,5%) zeigt auch direkt wieder, dass natürlich unvorhergesehene Ereignisse und Uuml;berraschungen trotzdem ständig passieren können!

Abschließend fand ich auch die Verknüpfung mit der Lesung von Malte Borsdorf aus seinem Roman, der während der Hamburger Flutkatastrophe spielt, sehr gelungen. Denn da wird besonders deutlich, wie Wissenschaft und Realität manchmal heftig aufeinander prallen können: Wenn ein paar Meteorologen / Mathematiker / Statistiker mit Stift und Papier (oder heute am Rechner) nüchtern Modelle und Wahrscheinlichkeiten zB auch über das Eintreten von Naturkatastrophen berechnen, zeigte der Roman eindrucksvoll was das dann tatsächlich für die betroffenen Menschen bedeutet."

(Text: Dr. Andreas Groll)

https://www.uni-goettingen.de/de/533611.html

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#01: Innen und außen. Öffentliche Bilder | 04.03.2017 | 19:00

Häuserwände statt Leinwände | Norbert Martins

Häuserwände statt Leinwände | Für den Moment tauglich und nicht für die Ewigkeit gemacht. Berlin hat seine Chance für künstlerische Veränderungen seines Gesichtes überzeugend genutzt. Es hat sich unter den bemalten Metropolen in Europa den ersten Platz erobert.

Der Vortrag umfasste den Zeitraum von 1975 bis 2015. Leider wird die Kunst im öffentlichen Raum von der Bevölkerung nicht richtig wahrgenommen.

"Immer wieder erfahre ich, dass die Berliner im Schnitt ca. 10 Wandbilder aufzählen können. In Berlin sind seit 1975 über 800 Bilder entstanden.

Ich habe seit über 43 Jahren die Wandmalerei (Illusionsmalerei, Graffiti und Street Art) in Berlin fotografiert, recherchiert und dokumentiert. Keiner in der Stadt hat so viele Informationen, Fotos und Geschichten über diese öffentliche Galerie in der Stadt. Kein Archiv besitzt diese lückenlose Dokumentation von 1975 bis 2018. Auch kenne ich viele Wandbilder, die nicht von der Straße aus zu sehen sind. Ich besitze über 11 000 Fotos und bin darüber informiert, welche Wandbilder gerade in Berlin gemalt werden, da ich mit vielen Künstlern in Kontakt stehe.

Die Wandbilder von Gert Neuhaus, Werner Brunner und von internationalen Künstlern sind weltberühmt. Seit das erste Wandbild 1975 von Ben Wagin (Weltbaum I – Grün ist Leben) gemalt wurde, hat sich das Stadtbild in Berlin verändert.

Ich möchte, dass die Bevölkerung durch meine Vorträge ihren Blick für die Wandbilder schärft und diese schätzen lernt. Denn es ist eine Kunst auf Zeit."

(Text und Fotografien der Wandbilder: Norbert Martins)

http://norbert-martins-wandbilder-berlin.de/

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#01: Innen und außen. Öffentliche Bilder | 04.03.2017 | 19:00

Höhlenmalerei der Steinzeit | Diana Schaal



Höhlenmalerei der Steinzeit | Die Qualität dieser Kunst ist so hoch, dass sie als erster Höhepunkt menschlichen Kunstschaffens gilt. Die Entdecker nannten die Höhle von Lascaux die Sixtinische Kapelle des Paläolithikums. Sie zeigen hauptsächlich Tiere, und zwar in genauer Beobachtung, darunter auch solche Tiere, mit denen man in Europa nicht rechnet! Bilder von Menschen sind dagegen die Ausnahme.

"Verblüfft hat mich immer wieder die genaue Naturbeobachtung und ihre Umsetzung in exakte Zeichnungen und Malereien – bis in teilweise filigrane Details!

Dabei kann ja wohl kaum davon ausgegangen werden, dass die abgebildeten Tiere mal schön still gehalten haben, bis der oder die Maler/in sie auf den Felsen gebannt hat!

Diese Menschen haben sich das Bild dieser Tiere durch häufige Beobachtung eingeprägt und dann in der Höhle künstlerisch umgesetzt. Vermutlich hat man für die Tiermalereien nur die Begabtesten an die Wände gelassen. Vermutlich waren die Maler/innen auch Schaman/innen, und die Malereien entstanden teilweise im Rahmen eines rituellen Jagdzaubers.

Gejagtes Pferd - Höhle von Lascaux (Frankreich)
Pferde machen mit 30 % den größten Teil der dargestellten Tiere in der Höhlenmalerei Südfrankreichs und Nordspaniens aus.  Bei diesem hier erkennt man die Borstigkeit der schwarzen Mauml;hne, die im Kontrast steht zum braunen Körper. Speere zeigen, dass das Pferd von Menschen gejagt wird.

Nashorn - Höhle von Chauvet (Frankreich)
Von den Nashörnern gibt es nur wenige Darstellungen in der Höhlenmalerei Südfrankreichs und Nordspaniens.  Dieses hier ist mit wenigen Linien exakt bis in die Hörner gezeichnet.

Wolf - Höhle von Font de Gaume (Frankreich)
Zu den sehr selten dargestellten Tieren gehört der Wolf. Dieser hier ist fast wie in einer japanischen Tuschezeichnung dargestellt, mit Linien und Schattierungen aufs Wesentliche reduziert.

Diese drei habe ich als essentielle Abbildungen ausgesucht.

Riesenhirsch - Höhle von Lascaux (Frankreich)
Das Geweih des schwarzen Riesenhirsches ist filigran ausgearbeitet. Man könnte fast meinen, die Künstler/innen hätten bereits das Arschgeweih gekannt!" (Diana Schaal)

http://www.schoene-kiezmomente.de

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Konzeption und Organisation:
Rosa Rücker und Christoph Medicus

--> info (aed) betakontext.de